Krypto als Ware: Regulierung in Indonesien 2026
Indonesien hat 2025 eine der radikalsten Umgestaltungen der Krypto-Regulierung in Südostasien vollzogen. Was früher als Handel mit Waren unter der Aufsicht von BAPPEBTI lief, ist heute ein vollständig integrierter Teil des Finanzsystems - unter strenger Kontrolle der OJK. Die Änderung ist nicht nur bürokratisch, sie verändert alles: von der Besteuerung über die Handelsbedingungen bis hin zu den Rechten der Anleger.
Die große Wende: Von Ware zu Finanzasset
Bis Ende 2024 durften Kryptowährungen in Indonesien als Waren gehandelt werden - ähnlich wie Gold oder Soja. Die Aufsicht lag bei BAPPEBTI, der Behörde für Rohstoffderivatemarkt. Damit war Krypto zwar legal, aber nicht als Geld anerkannt. Es durfte nicht zum Bezahlen verwendet werden, und die Regeln waren locker: Über 850 digitale Assets waren handelbar, ohne dass ihre Qualität geprüft wurde.
Am 10. Januar 2025 änderte sich alles. Mit der Umsetzung von Gesetz Nr. 4 von 2023 (PPSK-Gesetz) wurde die Zuständigkeit an die OJK (Otoritas Jasa Keuangan) übertragen. Krypto wurde nicht mehr als Ware, sondern als digitales Finanzasset klassifiziert. Das klingt technisch, hat aber massive Konsequenzen: Es bedeutet, dass Krypto jetzt Teil des regulären Finanzsystems ist - mit denselben Regeln wie Aktien, Anleihen oder Fonds.
Was bedeutet das für Händler und Plattformen?
Die OJK hat klare, strenge Regeln aufgestellt. Jede Krypto-Plattform, die in Indonesien operiert, braucht jetzt eine Lizenz. Keine Ausnahmen. Und die Hürden sind hoch:
- Mindestkapital: 100 Milliarden IDR (ca. 6,2 Millionen USD) als eingezahltes Kapital.
- Mindesteigenkapital: 50 Milliarden IDR (ca. 3,1 Millionen USD) müssen dauerhaft vorhanden sein.
- Kapital darf nicht aus Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung stammen - das wird überprüft.
- Alle Plattformen müssen monatlich Berichte einreichen und verdächtige Transaktionen an PPATK melden.
Die Frist für die Einhaltung dieser Regeln war Juli 2025. Wer nicht dabei war, hat seine Lizenz verloren. Viele kleine Exchanges sind verschwunden. Nur die großen, gut finanzierten Player überlebten - oft durch Fusionen oder Partnerschaften mit Banken.
Die Liste der handelbaren Assets: Strengere Kontrolle
Früher konnte jeder Coin gelistet werden - solange er technisch funktionierte. Jetzt ist das vorbei. Die OJK hat eine strenge Prüfungsstufe eingeführt. Jeder Krypto, der gehandelt werden darf, muss bis Februar 2025 neu bewertet und genehmigt werden. Die Plattformen mussten ihre gesamte Asset-Liste überarbeiten. Was bleibt? Nur Assets mit klarer Technologie, transparentem Team und nachweisbarem Nutzen.
Die neue Liste ist deutlich kürzer. Statt über 850 sind es jetzt weniger als 150 handelbare Assets. Bitcoin, Ethereum, Binance Coin und ein paar andere große Namen sind dabei. Viele altbekannte Meme-Coins und dubiose Projekte wurden gelöscht. Das ist kein Verlust - es ist ein Schutz für Anleger.
Steuerreform: Keine Mehrwertsteuer mehr auf Krypto-Transaktionen
Die Steuern haben sich ebenfalls komplett verändert. Bis 2025 wurden Krypto-Transaktionen als Verkauf von Waren behandelt. Das bedeutete: Jeder Kauf oder Verkauf war mit 11 % Mehrwertsteuer (VAT) belegt. Das war ein echter Hemmschuh für den Handel - besonders für kleine Trader.
Seit dem 1. August 2025 gilt die neue Regel: Keine Mehrwertsteuer mehr auf Krypto-Transaktionen. Das ist ein großer Schritt. Die Regierung hat erkannt: Krypto ist keine Ware. Es ist ein Finanzinstrument. Deshalb wird es jetzt wie Aktien behandelt: Nur die Gewinne aus dem Verkauf werden mit Einkommensteuer besteuert. Die genauen Sätze hängen vom individuellen Einkommen ab, aber die Vereinfachung ist ein großer Vorteil.
Diese Änderung ist Teil eines größeren Pakets: Die Ministerialverordnungen PMK 50, PMK 53 und PMK 54 haben das alte System abgeschafft und eine klare, einheitliche Steuerstruktur eingeführt. Das gibt Anlegern und Unternehmen endlich Rechtssicherheit.
Was bleibt verboten? Zahlungsmittel - und warum
Auch mit der neuen Regulierung bleibt Krypto in Indonesien kein Zahlungsmittel. Du kannst damit nicht in einem Laden einkaufen, nicht bei einem Taxifahrer bezahlen, nicht für Miete zahlen. Das ist weiterhin illegal - und wird es bleiben.
Der Grund? Die Zentralbank (Bank Indonesia) fürchtet, dass Krypto die Kontrolle über die nationale Währung (Rupiah) untergräbt. Es gibt zwar Diskussionen über stabile Coins (wie USDT oder USDC) als Zahlungsmittel, aber bislang hat die Regierung keine Änderung beschlossen. Der Fokus liegt auf Investitionen, nicht auf Zahlungen.
Wer kontrolliert alles?
Es ist kein Einzelgänger, der Krypto überwacht. Es ist ein Netzwerk:
- OJK: Verantwortlich für Lizenzierung, Kapitalanforderungen, Compliance und Marktintegrität.
- Bank Indonesia: Sorgt dafür, dass Krypto nicht das Geldsystem destabilisiert.
- PPATK: Das Finanzabrechnungszentrum überwacht Geldwäsche - und bekommt alle verdächtigen Transaktionen von den Plattformen gemeldet.
Die drei Behörden arbeiten eng zusammen. Sie tauschen Daten aus, führen gemeinsame Audits durch und können sogar Strafverfahren einleiten. Das macht es extrem schwierig, illegale Aktivitäten zu verbergen.
Was bedeutet das für Anleger?
Für dich als Investor ist das eine gute Nachricht - aber mit einer Kehrseite.
Die Vorteile: Dein Geld ist sicherer. Plattformen müssen mehr Kapital haben, was bedeutet, dass sie weniger riskant agieren. Die Transparenz ist höher. Du kannst leichter nachprüfen, ob eine Plattform lizenziert ist - die OJK führt eine offizielle Liste.
Die Nachteile: Es ist teurer geworden, aktiv zu handeln. Die größten Plattformen haben ihre Gebühren erhöht, um die hohen Compliance-Kosten zu decken. Und die Auswahl an Coins ist kleiner. Wenn du nach exotischen Altcoins suchst, wirst du sie nicht mehr finden - sie wurden einfach gelöscht.
Was bleibt: Eine stabile, regulatorisch klare Umgebung. Das ist genau das, was Investoren brauchen - besonders ausländische. Indonesien positioniert sich jetzt als eine der strukturiertesten Krypto-Märkte in Asien.
Zukunftsperspektiven: Was kommt als Nächstes?
Die Regulierung ist noch nicht fertig. Es gibt drei offene Fragen:
- Stabile Coins als Zahlungsmittel? Die Industrie drängt darauf. Aber die Zentralbank zögert. Ein Experiment könnte in 2027 beginnen.
- Dezentralisierte Finanzen (DeFi)? Die OJK hat noch keine klare Position. DeFi-Protokolle wie Uniswap oder Aave sind derzeit nicht lizenziert - und damit de facto verboten.
- Steueroptimierung für private Anleger? Die Einkommensteuer auf Krypto-Gewinne ist noch nicht vollständig durchdacht. Viele Anleger melden ihre Gewinne nicht - die OJK arbeitet an besseren Überwachungsmethoden.
Was klar ist: Indonesien wird nicht zurückdrehen. Die Änderungen von 2025 waren ein Endpunkt - und ein Neuanfang.
Ist der Handel mit Krypto in Indonesien legal?
Ja, der Handel mit Krypto ist legal - aber nur als digitales Finanzasset unter der Aufsicht der OJK. Es ist nicht erlaubt, Krypto als Zahlungsmittel zu verwenden. Nur lizenzierte Plattformen dürfen Krypto handeln.
Welche Kryptowährungen dürfen in Indonesien gehandelt werden?
Nur Kryptowährungen, die von der OJK genehmigt wurden, dürfen gehandelt werden. Die Liste ist auf weniger als 150 Assets reduziert worden. Dazu gehören Bitcoin, Ethereum, Binance Coin und einige andere etablierte Projekte. Exotische oder dubiose Coins wurden entfernt.
Wird Krypto in Indonesien besteuert?
Ja, aber nicht mehr mit Mehrwertsteuer. Seit August 2025 wird nur noch die Gewinnsteuer auf Verkaufsgewinne erhoben. Die frühere 11 % Mehrwertsteuer auf Transaktionen wurde abgeschafft. Die Steuerhöhe richtet sich nach deinem persönlichen Einkommen.
Was passiert, wenn eine Krypto-Plattform nicht lizenziert ist?
Nicht lizenzierte Plattformen dürfen nicht mehr operieren. Sie wurden abgeschaltet. Wer weiterhin mit ihnen handelt, tut es auf eigene Gefahr - die OJK schützt keine Transaktionen auf illegalen Plattformen. Die Plattformen selbst riskieren Geldstrafen, Lizenzentzug oder sogar strafrechtliche Verfolgung.
Kann ich Krypto in Indonesien als Zahlungsmittel nutzen?
Nein. Es ist gesetzlich verboten, Krypto als Zahlungsmittel zu verwenden - weder für Waren, Dienstleistungen noch für Miete. Dieses Verbot gilt unverändert, auch nach der Regulierungsreform von 2025.