Kuwait verbietet Banken und Kryptomining: Was hinter dem strengen Verbot steckt
Im Juli 2023 hat Kuwait eine der strengsten Regelungen gegen Kryptowährungen in der gesamten Golfregion verhängt. Nicht nur der Handel mit Bitcoin und Co. ist verboten - alle Aktivitäten rund um Kryptowährungen, einschließlich Mining, Zahlungen und Investitionen, sind seitdem illegal. Die Zentralbank von Kuwait, die Kapitalmarktbehörde und das Ministerium für Inneres arbeiten zusammen, um dieses Verbot mit harten Mitteln durchzusetzen. Das Ergebnis? Eine Nation, die bewusst von der digitalen Finanzwelt abschneidet - und dabei nicht nur Chancen, sondern auch Risiken vermeidet.
Warum Kuwait Kryptowährungen komplett verbietet
Die offizielle Begründung ist klar: Geldwäsche und Terrorfinanzierung verhindern. Kuwait hat sich verpflichtet, die Empfehlung Nr. 15 der Financial Action Task Force (FATF) umzusetzen - eine internationale Regel, die Länder dazu zwingt, Kryptowährungen genauso streng zu überwachen wie traditionelles Geld. Doch hinter dieser Begründung steckt mehr. Kuwait leitet seine Energie fast vollständig aus Öl und Gas. Kryptomining verbraucht enorme Mengen Strom - oft so viel, dass ganze Viertel ausfallen. In Al-Wafra, einem Vorort von Kuwait-Stadt, wurden Häuser entdeckt, die bis zu 20 Mal mehr Strom verbrauchten als normal. Die Ursache? Dutzende Mining-Rigs, die rund um die Uhr laufen.
Die Regierung hat darauf reagiert, indem sie das Ministerium für Elektrizität und Wasser mit der Überwachung beauftragt hat. Spezielle Software erkennt ungewöhnliche Verbrauchsmuster. Sobald ein Haushalt auffällig ist, kommt eine Inspektion. Seit 2024 wurden über 1.000 illegale Mining-Standorte identifiziert. Einige davon befanden sich in Wohnhäusern, andere in vermeintlichen Lagerhallen oder Bürogebäuden. Die Stromrechnungen dieser Orte waren oft mehrere tausend Dinare hoch - Geld, das eigentlich für die öffentliche Versorgung da sein sollte.
Banken dürfen nicht mehr mit Kryptos arbeiten
Die Zentralbank von Kuwait hat alle lokalen Banken, Finanzunternehmen und Wechselstuben verboten, irgendeine Form von Kryptowährung zu handeln, zu lagern oder zu überweisen. Das bedeutet: Selbst wenn jemand Bitcoin kaufen will, kann er es nicht über eine kuwaitische Bank tun. Kein Konto, kein Überweisungsweg, kein Austausch. Wer trotzdem versucht, Kryptowährungen über Banken zu transferieren, riskiert nicht nur den Verlust seines Kontos - er kann auch mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Kuwait-Dinar (ca. 164.000 USD) und bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Seit 2023 wurden 147 Verstöße gegen diese Regel ermittelt. Die Strafen summierten sich auf über 8,2 Millionen US-Dollar.
Darüber hinaus haben alle 45 lizenzierten Banken im Land Pflichtschulungen durchlaufen, um ihre Mitarbeiter auf die FATF-Richtlinien vorzubereiten. Compliance-Teams müssen jetzt nicht nur klassische Geldwäsche erkennen, sondern auch Muster erkennen, die auf P2P-Kryptotransaktionen hindeuten - etwa kleine, häufige Überweisungen an ausländische Adressen, die keine klare wirtschaftliche Erklärung haben.
Der Mining-Boom, den niemand wollte
Während andere Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) oder Bahrain Kryptomining legalisiert und sogar mit Steuervorteilen locken, hat Kuwait entschieden, es komplett zu verbieten. Der Grund? Die Energiekosten. Ein einzelner Mining-Rig verbraucht im Jahr so viel Strom wie ein ganzes Einfamilienhaus. In Kuwait, wo die Strompreise vom Staat subventioniert werden, bedeutet das: Der Steuerzahler zahlt für illegale Kryptowährungsgewinne. Ein Bericht von MEXC Wiki aus 2025 zeigt, dass Kryptomining in Kuwait jährlich mehr als 300 Millionen kWh Strom verbraucht - genug, um 150.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.
Die Regierung hat deshalb spezielle Ermittlungseinheiten eingesetzt, die mit Stromverbrauchsanalysen, Wärmebildkameras und sogar GPS-Tracking arbeiten. In 89 Razzien zwischen 2023 und 2024 wurden mehr als 2.000 Mining-Geräte beschlagnahmt. Viele davon waren in Wohngebieten versteckt - in Garagen, Kellerwohnungen oder sogar in Kellern von Supermärkten. Einige Betreiber nutzten sogar Stromleitungen von öffentlichen Gebäuden, um ihre Geräte zu betreiben. Die Folge: In mehreren Vierteln kam es zu wiederholten Stromausfällen, besonders in den Sommermonaten, wenn die Klimaanlagen am meisten verbrauchen.
Was passiert, wenn man trotzdem weitermacht?
Die Strafen sind hart - und sie werden streng durchgesetzt. Wer Kryptomining betreibt, riskiert nicht nur Geldstrafen, sondern auch Gefängnis. Seit Mai 2025 gilt eine neue Gesetzesänderung: Der Höchstbetrag für Strafen wurde von 10.000 auf 50.000 Kuwait-Dinar erhöht. Wer mehr als drei Mining-Rigs betreibt, wird automatisch als „organisierte Kriminalität“ eingestuft. Die Polizei hat eigene Abteilungen für digitale Finanzkriminalität eingerichtet. Sie arbeiten eng mit der Telekommunikationsbehörde zusammen, die seit 2025 den Zugang zu 137 internationalen Krypto-Börsen blockiert. Das betrifft fast alle bekannten Plattformen - von Binance bis Kraken.
Dennoch gibt es eine unterirdische Szene. Auf Telegram gibt es mehr als 3.500 Mitglieder in Gruppen, die sich auf P2P-Transaktionen spezialisiert haben. Die Nutzer tauschen Bitcoin oder Ethereum direkt über Bargeld oder Händler aus. Doch das Risiko ist hoch. Im Januar 2025 verloren kuwaitische Anleger etwa 40 Millionen US-Dollar an ein gefälschtes Kryptoprojekt namens „Bitcoin Kuwait“. Es war eine klassische Betrugsmasche - eine App, die angeblich „sichere“ Kuwait-Dinar-Kryptowährungen ausgab. Keine Regulierung. Keine Rückverfolgbarkeit. Keine Hilfe.
Vergleich mit den Nachbarländern: Kuwait ist die Ausnahme
Während Kuwait abschottet, bauen andere Länder der Golfregion ihre Krypto-Infrastruktur aus. Die UAE hat 2022 die Dubai Virtual Assets Regulatory Authority (VARA) gegründet. Seitdem haben über 250 Krypto-Unternehmen dort ihren Sitz. Bahrain hat 12 Lizenzen vergeben. Saudi-Arabien hat sieben spezialisierte Firmen in seinem regulatorischen Sandbox-Programm zugelassen. Diese Länder sehen Blockchain als Chance - für Finanzdienstleistungen, Lieferketten und Regierungsdienste.
Kuwait dagegen hat sich bewusst davon abgewandt. Laut einer Analyse von MEXC Wiki hat das Land zwischen 2023 und 2025 geschätzte 1,2 Milliarden US-Dollar an Investitionen verpasst. Es hat keine Krypto-Startups, keine Blockchain-Technologie-Entwickler, keine Arbeitsplätze in diesem Bereich. Im Gegensatz dazu hat die UAE 2024 allein im Blockchain-Bereich 15.000 neue Jobs geschaffen und 2,1 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen. Kuwait hat sich für Sicherheit entschieden - aber auf Kosten der Innovation.
Was sagen die Menschen?
Die Meinungen in Kuwait sind gespalten. Ein Unternehmer aus Kuwait-Stadt sagte im April 2025 auf einer Online-Plattform: „Das Verbot hat uns vor Betrug geschützt. In anderen Ländern haben Kollegen Millionen verloren. Hier wissen wir, was erlaubt ist.“ Doch andere klagen. Ein Student aus Ahmadi schrieb auf Twitter: „Ich will in Blockchain lernen. Aber ich kann nicht mal eine Online-Kursgebühr mit Krypto bezahlen. Wir werden zurückgelassen.“
Sozialmedien-Analysen zeigen: 67 % der kuwaitischen Twitter-Nutzer äußern sich negativ über das Verbot. Die häufigsten Beschwerden: „Wir können nicht mit der Welt mithalten“, „Das ist technologische Isolation“ und „Warum verbieten sie es, wenn sie es nicht kontrollieren können?“
Dennoch: Die Regierung bleibt hart. Die Zentralbank von Kuwait hat erklärt, dass eine Lockerung „nicht in Sicht“ ist. Die nationale digitale Transformationsstrategie mit einem Budget von 500 Millionen US-Dollar schließt Kryptowährungen explizit aus. Stattdessen wird an Blockchain für Regierungsverwaltung, Logistik und Energieverteilung gearbeitet - aber ohne Kryptos.
Was bleibt - und was kommt?
Kuwait hat sich für eine klare, aber extreme Lösung entschieden: Kein Krypto, kein Mining, kein Handel. Es ist eine Politik der Null-Toleranz. Sie hat die Zahl der Kryptobetrügereien um 63 % gesenkt. Sie hat die Stromnetze stabilisiert. Sie hat die Banken vor Risiken geschützt. Aber sie hat auch eine ganze Branche ausgeschlossen - eine Branche, die in anderen Ländern Wachstum, Arbeitsplätze und Innovation bringt.
Experten wie Dr. Noura Al Dhaheri von der Khalifa University warnen: „Ein komplettes Verbot schafft kein Sicherheitsnetz - es schafft ein schwarzes Loch.“ Die FATF hat Kuwait für seine Einhaltung internationaler Standards gelobt. Doch die Weltbank hat das Land mit Rang 127 von 140 Ländern als eines der schlechtesten Umfelder für Kryptowährungen bewertet - hinter Ländern wie Nigeria und Venezuela.
Die Zukunft? Wahrscheinlich bleibt es so. Bis 2030 wird Kuwait keine Kryptowährungen legalisieren. Aber es könnte eine begrenzte Blockchain-Infrastruktur für Nicht-Krypto-Anwendungen aufbauen. Bis dahin: Wer in Kuwait Kryptos nutzen will, muss es illegal tun. Und riskieren - nicht nur sein Geld, sondern auch seine Freiheit.