Myanmar Crypto Ban: Wie das Zentralbank-Dekret 9/2020 den Kryptohandel verbietet - und warum er trotzdem weitergeht
Am 15. Mai 2020 hat die Zentralbank von Myanmar ein Dekret erlassen, das den Handel mit Kryptowährungen komplett verbietet - Directive 9/2020. Es ist kein vages Warnhinweis, keine lose Androhung. Es ist ein klares, durchsetzbares Verbot: Kein Myanmar-Bürger darf Bitcoin, Ethereum, Litecoin oder Tether kaufen, verkaufen oder tauschen. Banken dürfen nicht helfen. Facebook-Gruppen, die Krypto anbieten, werden geschlossen. Wer dagegen verstößt, riskiert Gefängnis, Geldstrafen oder beides.
Was genau verbietet Directive 9/2020?
Das Dekret ist präzise. Es untersagt jede Form von Transaktion mit unregulierten digitalen Währungen - egal ob über Banken, Online-Plattformen oder private Überweisungen. Die Zentralbank von Myanmar (CBM) erklärt klar: Nur sie allein hat das Recht, Geld auszugeben. Alles andere ist illegal. Dazu gehören nicht nur Bitcoin und Ethereum, sondern auch Perfect Money und besonders Tether (USDT). Letzteres wurde zum Hauptziel, weil es stabil ist, leicht zu übertragen und nicht an die lokale Währung, den Kyat, gebunden ist.
Die CBM stützt sich auf drei Gesetze: das Foreign Exchange Management Law, das Financial Institutions Law und das Anti-Money Laundering Law. Diese schaffen einen rechtlichen Rahmen, der Kryptowährungen als nicht existent macht - nicht als riskant, nicht als unreguliert, sondern als illegal. Vor 2020 hatte die Zentralbank nur gesagt: „Ihr handelt auf eigene Gefahr.“ Danach kam die Durchsetzung. Wer USDT über Facebook verkaufte, bekam eine Einladung zur Polizeistation. Wer Bankkonten für Krypto nutzte, sah sein Geld eingefroren.
Wie wird das Verbot durchgesetzt?
Die CBM hat nicht nur gesprochen - sie hat gehandelt. Am 24. Mai 2024, genau vier Jahre nach dem ursprünglichen Dekret, veröffentlichte sie eine neue Erklärung: Die Strafen werden jetzt konsequent angewendet. Bankkonten werden geschlossen. Rechnungssteller werden verhaftet. Die Behörden verfolgen speziell Hundi-Netzwerke - das sind informelle Geldtransfer-Systeme, die oft mit USDT über WhatsApp oder Telegram laufen.
Die Strafen sind hart: Bis zu fünf Jahre Haft nach dem Central Bank of Myanmar Law, zusätzlich Geldstrafen nach dem Anti-Money Laundering Law. Es gibt keine milde Warnung, keine zweite Chance. Die Zentralbank hat bereits mehrere Fälle vor Gericht gebracht - alle gegen lokale Geldwechsler, die USDT als Ersatz für den Kyat nutzten. Es geht nicht um große Krypto-Unternehmen aus Singapur oder den USA. Es geht um Menschen, die in Mandalay oder Yangon ihren Nachbarn Tether verkaufen, um Lebensmittel zu bezahlen.
Warum verbietet Myanmar Kryptowährungen?
Die offizielle Begründung ist einfach: Kontrolle. Die CBM will verhindern, dass Geld aus dem Land fließt, dass Geldwäsche stattfindet und dass die nationale Währung unter Druck gerät. Doch die Wahrheit liegt tiefer. Im Jahr 2020 war der Kyat noch stabil. Doch als das Militär im Februar 2021 die Macht übernahm, begann der Kyat zu kollabieren. Inflation stieg auf über 100 %. Die Menschen konnten ihre Gehälter nicht mehr in Lebensmittel umwandeln. Die Banken sperrten Konten. Auslandsüberweisungen wurden blockiert.
In diesem Chaos wurde Kryptowährung zur Überlebensstrategie. USDT - ein stabiler Stablecoin, der an den US-Dollar gebunden ist - wurde zur neuen Währung. Familien nutzten es, um Geld von Verwandten im Ausland zu erhalten. Aktivisten nutzten es, um Hilfsgelder für Proteste zu sammeln. Die Zentralbank sah das als Bedrohung. Nicht weil Kryptowährungen gefährlich sind - sondern weil sie unkontrollierbar sind. Und das kann ein autoritäres Regime nicht ertragen.
Wie reagiert die Bevölkerung?
Die Menschen haben nicht aufgehört. Sie haben sich umgezogen.
Heute, im Jahr 2026, handelt Myanmar weiterhin mit Kryptowährungen - nur nicht mehr über Banken oder Facebook. Die Transaktionen laufen über Telegram, über Offshore-Börsen wie Binance und über Peer-to-Peer-Plattformen wie Paxful. Der Tron-Blockchain ist beliebt, weil Transaktionen billig und schnell sind. USDT dominiert den Markt, weil es nicht schwankt. Wer in Myanmar ein Smartphone hat, hat Zugang zu einem parallelen Finanzsystem - ein System, das die Zentralbank nicht sehen, nicht stoppen und nicht kontrollieren kann.
Die Internetabschaltungen des Militärs, die regelmäßig während Protesten erfolgen, haben diesen Handel nicht gestoppt - sie haben ihn nur verlangsamt. Wer einen Internetzugang hat, nutzt ihn. Wer keinen hat, wartet. Die Nachfrage ist so groß, dass selbst in Dörfern mit nur 3G-Verbindung Krypto-Transfers stattfinden. Ein Farmer in Shan State kauft Saatgut mit USDT. Eine Krankenschwester in Naypyidaw zahlt ihre Medikamente mit Tether. Es ist kein Nischenphänomen. Es ist die neue Realität.
Was macht die Opposition?
Während das Militärregime (State Administration Council, SAC) Kryptowährungen verbietet, hat die demokratische Opposition - die National Unity Government (NUG) - eine völlig andere Strategie. Im Dezember 2021 erklärte sie USDT zur legalen Währung in den von ihr kontrollierten Gebieten. Sie entwickelte sogar eine eigene digitale Währung: DMMK (Digital Myanmar Kyats). Diese Währung soll über eine einfache App genutzt werden - mit Wallet-Funktion, die auch ohne Bankkonto funktioniert.
DMMK ist kein Ersatz für Bitcoin. Es ist ein Versuch, eine nationale digitale Währung zu schaffen, die von der Bevölkerung vertraut wird - und die nicht vom Militär kontrolliert wird. Die NUG hat bereits Tausende Nutzer in den Grenzregionen. Sie nutzt Kryptowährungen nicht als Spekulationsobjekt, sondern als Werkzeug der Souveränität. Das ist der wahre Konflikt: Es geht nicht um Technologie. Es geht um Macht. Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert das Land.
Warum funktioniert das Verbot nicht?
Ein Verbot kann Kryptowährungen nicht abschaffen - weil sie nicht an einen Ort gebunden sind. Sie existieren auf der Blockchain. Sie bewegen sich global. Die CBM kann Banken zwingen, keine Transaktionen zu erlauben. Sie kann Facebook-Seiten löschen. Sie kann Hacker verhaften. Aber sie kann nicht die 12 Millionen Smartphones in Myanmar kontrollieren. Sie kann nicht die 800.000 Telegram-Gruppen stoppen, in denen USDT gehandelt wird. Sie kann nicht verhindern, dass ein junger Mann in Sittwe mit einem VPN auf Binance zugreift und USDT kauft, um seine Mutter in Thailand zu unterstützen.
Das Verbot hat nur eine Wirkung: Es treibt den Markt in die Dunkelheit. Es macht ihn gefährlicher, aber nicht kleiner. Es schafft ein Schwarzmarkt-Ökosystem, das von der Zentralbank nicht geregelt, nicht besteuert und nicht überwacht wird. Und das ist das größte Risiko für das Regime: Es verliert nicht nur Kontrolle über die Währung - es verliert Kontrolle über die Wahrheit.
Wie sieht die Zukunft aus?
Die Zentralbank hält an ihrem Verbot fest. Sie veröffentlicht weiterhin Warnungen. Sie schließt Konten. Sie verhaftet Leute. Doch die Daten sprechen eine andere Sprache: Der Kryptohandel in Myanmar wächst - trotz, ja weil des Verbots. Der Kyat ist so wertlos, dass selbst Militärangehörige USDT nutzen, um ihre Gehälter zu schützen.
Andere Länder in Südostasien - Thailand, Singapur, Indonesien - haben Kryptowährungen reguliert. Sie haben Lizenzen vergeben, Steuern eingeführt, Verbraucherschutz geschaffen. Myanmar hat sich für das Gegenteil entschieden: Verbot. Aber Verbot ist kein Plan. Es ist eine Flucht.
Die Zukunft wird nicht durch Dekrete bestimmt, sondern durch die Menschen. Solange der Kyat instabil bleibt, solange die Banken versagen, solange das Militär die Wirtschaft zerstört, wird Kryptowährung in Myanmar überleben. Sie wird nicht legalisiert werden. Sie wird nicht reguliert werden. Sie wird einfach weiterlaufen - in den Handys, in den Telegram-Gruppen, in den Köpfen der Menschen, die wissen: Wer Geld kontrolliert, kontrolliert die Zukunft.
Was bedeutet das für Ausländer?
Wenn Sie als Ausländer nach Myanmar reisen: Handeln Sie nicht mit Kryptowährungen. Keine Überweisungen, keine Zahlungen, keine Wallets. Selbst wenn Sie denken, Sie seien „nur ein Tourist“ - die Behörden kontrollieren Banktransaktionen, SIM-Karten und Internetnutzung. Wer als Ausländer in einem Krypto-Transaktionsnetzwerk erwischt wird, riskiert nicht nur Geldstrafen - er riskiert Abschiebung oder Festnahme.
Wenn Sie als Entwickler oder Investor in Myanmar tätig sind: Ignorieren Sie das Verbot nicht. Es ist kein „lokales Problem“. Es ist ein Zeichen dafür, dass das Land in einer tiefen institutionellen Krise steckt. Kryptowährung ist hier kein Investment - sie ist eine Notwendigkeit. Und Notwendigkeiten werden nicht durch Gesetze aufgehoben.
Ist der Handel mit Bitcoin in Myanmar vollständig illegal?
Ja. Gemäß Directive 9/2020 der Zentralbank von Myanmar ist jeder Handel mit unregulierten digitalen Währungen - einschließlich Bitcoin, Ethereum und USDT - gesetzlich verboten. Dies gilt für Kauf, Verkauf, Tausch und Überweisung. Verstöße können zu Gefängnisstrafen und Geldstrafen führen.
Warum nutzen trotzdem so viele Menschen Kryptowährungen?
Weil der myanmarische Kyat seit dem Militärputsch 2021 stark an Wert verloren hat. Inflation liegt bei über 100 %. Banken sperren Konten, Auslandsüberweisungen sind blockiert. USDT, ein stabiler Stablecoin, wird als Ersatzwährung genutzt - für Gehälter, Remittanzen und den Kauf von Lebensmitteln. Kryptowährung ist keine Spekulation, sondern Überleben.
Wie wird das Verbot durchgesetzt?
Die Zentralbank schließt Bankkonten von Verstößenden, verfolgt Hundi-Netzwerke, die USDT nutzen, und bringt Einzelpersonen vor Gericht. Besonders betroffen sind lokale Geldwechsler, die Kryptowährungen über Facebook oder WhatsApp anbieten. Die Strafen reichen von Geldstrafen bis zu fünf Jahren Haft.
Gibt es eine Alternative zum Verbot?
Ja. Die demokratische Opposition, die National Unity Government (NUG), hat USDT in ihren Gebieten als legale Währung anerkannt und eine eigene digitale Währung namens DMMK entwickelt. Diese wird über eine App genutzt und zielt darauf ab, eine unabhängige Finanzinfrastruktur zu schaffen - direkt im Widerspruch zum Militärregime.
Können Ausländer in Myanmar Kryptowährungen nutzen?
Nein. Ausländer, die Kryptowährungen nutzen oder transferieren, riskieren rechtliche Konsequenzen - selbst wenn sie nicht Myanmar-Bürger sind. Die Behörden überwachen Banktransaktionen, SIM-Karten und Internetnutzung. Wer in ein Krypto-Netzwerk verwickelt ist, kann abgeschoben oder festgenommen werden.
Warum hat Myanmar ein Verbot, während andere Länder Kryptowährungen regulieren?
Myanmar ist ein autoritäres Regime, das jede Form von Finanzunabhängigkeit fürchtet. Während Länder wie Thailand oder Singapur Kryptowährungen regulieren, um Kontrolle und Steuereinnahmen zu sichern, versucht Myanmar, jegliche außerstaatliche Währung zu eliminieren - weil sie die Macht des Militärs untergräbt. Das Verbot ist kein wirtschaftliches, sondern ein politisches Instrument.
Stefaan Scheyltjens
Januar 31, 2026 AT 16:49Das Verbot ist ein klassisches Machtspiel der autoritären Logik: Wer die Geldflüsse kontrolliert, kontrolliert die Narrative. Doch Blockchain ist dezentralisiert - es gibt keinen zentralen Server, den man abschalten kann. Die Zentralbank glaubt, sie könne Gesetze als physische Mauer verwenden, aber Kryptowährung ist ein Protokoll, kein Produkt. Es ist wie versuchen, Wind mit einem Netz zu fangen. Die echte Bedrohung ist nicht Bitcoin - es ist die Tatsache, dass Menschen jetzt wissen, dass sie ohne den Staat wirtschaften können. Und das ist für jede Diktatur unerträglich.
Leonie Krenn
Februar 1, 2026 AT 11:42Ich verstehe nicht, warum die Leute sich so anstellen. In Deutschland würde niemand so einen Unsinn machen. Wir haben den Euro, wir haben stabile Banken, wir haben Ordnung. Warum muss man sich mit diesem Kryptoscheiß beschäftigen? Das ist doch nur für Leute, die keine Ahnung von echtem Geld haben. Und jetzt noch so eine Geschichte mit einem Militärregime - das ist doch einfach nur Chaos. Wir brauchen keine digitalen Währungen, wir brauchen Disziplin.